Bürgergemeinschaft Südstadt e.V.

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"Chronik der Südstadt von Willi Lehmann"

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Texteil (ohne Abblidungen/Fotos) auf dieser Seite unten.

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Eine weitere (weniger umfangreiche) Dokumentation der HBK ist auch verfügbar :

Die Geschichte des Stadtteils "Siedlung Mascheroder Holz" (heute Südstadt)
und Fotos aus der Vergangenheit des "Roxys"

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Textversion (ohne Fotos): 1. Vorwort zur Chronik der Südstadt

Eine Siedlung stellt sich vor und berichtet über seine 50-jährige Vergangenheit. Es ist bemerkenswert, wie sich ein Wandel der "Siedlung Mascheroder Holz" bis hin zur heutigen "Südstadt" vollzogen hat. In den Jahren 1936 bis 1940 haben Bürger aus allen Schichten der Bevölkerung Braunschweigs und Umgebung den Mut gefaßt, ein eigenes Heim zu schaffen. Man nannte den Erwerb des eigenen Hauses mit Garten "Siedeln".

Leider schaffte der 2. Weltkrieg alles andere als gute Voraussetzungen für das Siedlerleben, noch schwieriger waren die Nachkriegsjahre. Viele Familien waren auseinandergerissen, Siedlerstellen waren zerstört. Es galt wieder neu anzufangen. In den darauf folgenden Jahren formte das Vereinsleben und der zusammenhaltende Gemeinschaftssinn der Bürger unsere Siedlung. Herrn Wilhelm Lehmann danken wir für die Erstellung dieser Chronik.

Willi Zimmer

2. Vorwort zur Chronik der Südstadt

Im Gegensatz zu den meisten Dörfern existieren für die im "Dritten Reich" erbauten Siedlungen der Stadt Braunschweig keine Chroniken. Mit dieser Chronik der Siedlung Mascheroder Holz soll begonnen werden, die Entwicklung und Geschichte der Siedlungen, die in den Jahren 1933-1945 gebaut wurden, festzuhalten. An dieser Stelle möchte ich all denen herzlich danken, die mir bei der Erstellung und Herausgabe dieser Chronik behilflich waren. Mein besonderer Dank gilt dem Stadtarchiv Braunschweig, insbesondere Herrn Archivdirektor Dr. Garzmann, der mir mit seinem Rat zur Seite stand.
Braunschweig im August 1986

Willi Lehmann (Autor der Chronik)

50 Jahre Siedlung Mascheroder Holz - Chronik der Südstadt

Wollte man die Chronik eines Dorfes schreiben, so müßte man die Geschichte der einzelnen Höfe und der Kirchen erforschen und zusammenstellen. Alte Akten, Dokumente und besonders die Kirchenbücher sind hier die wichtigsten Quellen. Ein Dorf ist organisch gewachsen. Es ist dort entstanden, wo der Mensch, dank fruchtbarer Erde, eine gute Ernte einbringen und ausreichend leben konnte.
Anders ist es bei den Siedlungen der Neuzeit - wie z. B. der "Südstadtsiedlung Mascheroder Holz" -, die auf dem Reißbrett entworfen und dort gebaut wurden, wo eine günstige Lage zu den Arbeitsstätten und geeigneter Grund und Boden für den Hausbau vorhanden waren. Die neugeschaffenen Siedlungen sollten aber nicht nur günstig zu den Industriegebieten, sondern auch in der Nähe von Erholungsflächen liegen.
Der Grund sowohl für die Errichtung neuer Höfe und Dörfer als auch für den Bau neuer Siedlungen war jedoch stets derselbe, nämlich der Bevölkerungszuwachs.
Am Ende des 19. Jahrhunderts strömten Hunderttausende in die Industriezentren, um neue und besser bezahlte Arbeit zu finden. Hatte das Deutsche Reich im Jahre 1880 elf Städte mit 100000 Einwohnern, so waren es 1914 bereits 50 Städte dieser Größenordnung. Diese Bevölkerungskonzentration bedeutete gleichzeitig Wohnungsnot. Durch einen verstärkten Wohnungsbau, der hauptsächlich aus dem Bau von billigen "Mietskasernen" bestand versuchte man, den rasch gestiegenen Bedarf an Wohnungen zu decken.
Im Ruhrgebiet wurden im ausgehenden 19. Jahrhundert von den Zechen und von der Firma Krupp mehr als 100.000 Betriebswohnungen gebaut, allein von der Firma Krupp 25000. Die Werkswohnungen banden die Arbeiter jedoch stärker an das Unternehmen, weil eine Kündigung der Arbeitsstelle gleichzeitig die Kündigung der Wohnung zur Folge hatte.
Die meisten Werkswohnungen waren, gemessen am Standard ihrer Erbauungszeit, gute Wohnungen, und die Siedlerstellen brachten sogar zum Teil städtebaulich interessante Lösungen hervor. Gerade in den letzten Jahren wurde mit Erfolg um den Erhalt dieser Siedlungen gekämpft. Im Ersten Weltkrieg kam der Wohnungsbau fast zum Erliegen, so daß sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt erheblich verschärfte. Dazu kam, daß Familien in Armenhäusern untergebracht werden mußten, da sich viele Vermieter weigerten, Familien in leerstehende Wohnräume aufzunehmen. Um die Wohnungsnot zu beseitigen, befaßte sich in Braunschweig die Landesversammlung im Sommer 1917 mit diesem Problem und setzte eine Parlamentskommission ein. Hierzu wurde auch August Wesemeier, der Vorstandsmitglied der Braunschweiger Baugenossenschaft und Vorsitzender des Gewerkschaftskartells war, eingeladen, da die Regierung ohne Hinzuziehung von Arbeitervertretern Entscheidungen nicht mehr treffen wollte. Ende März 1918 verabschiedete dann die Landesversammlung ein Siedlungs- und Heimstättengesetz. Es sah die Förderung von Heimstätten und die Schaffung von bäuerlichen Kleinsiedlungen vor. Das Kleinhaus mit Garten und höchstens 2 Wohnungen - in der Stadt Braunschweig bis zu 6 Wohnungen - war der wünschenswerte Siedlungstyp.

Zur Verwirklichung dieser Pläne waren folgende Maßnahmen vorgesehen:
Gründung einer gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft, Übernahme staatlicher Bürgschaften für Hypotheken, Ausdehnung der Beleihungsgrenze des Herzoglichen Leihhauses und die Schaffung einer besonderen Rechtsform der Heimstätte. Konkrete Maßnahmen wurden in der Kriegszeit nicht mehr unternommen, und erst 1919 wurde die Braunschweigische Siedlungsgesellschaft gegründet. Die Reichswohnungszählung im Jahre 1927 ergab z. B., daß 591000 oder 6,4 sämtlicher Haushalte zwar eine eigene Hauswirtschaft führten, aber mit einer anderen Haushaltung eine gemeinsame Wohnung bewohnten.
Hierbei ist es interessant festzustellen, daß der Anteil dieser "zweiten und weiteren Haushaltungen" an der Gesamtzahl der Haushaltungen mit Zunahme der Gemeindegröße anstieg. Diese Ergebnisse der Reichswohnungszählung bestätigten, daß die Wohnungsnot und der Wohnungsbedarf in den Städten am größten und dringlichsten waren. Den Fehlbestand an Wohnungen schätzte man im Jahre 1925 auf annähernd 1 Million Wohnungen.

Mit dem Aufkommen aus der im Jahre 1926 im Lande Braunschweig eingeführten Hauszinssteuer sollte u. a. der Wohnungsbau finanziert und angekurbelt werden. Während das Bauprogramm für die Jahre 1926 bis 1930 vollständig durchgeführt werden konnte, trat im Jahre 1931 eine Wendung ein. Für die Stadt Braunschweig standen 1020000 RM aus dem Hauszinssteueraulkommen zur Verfügung. Infolge der Geldknappheit waren jedoch auf dem freien Kapitalmarkt fast keine Bauhypotheken zu erhalten.

Auch die Braunschweigische Landesregierung tat nichts, um die daniederliegende Bauwirtschaft anzukurbeln, z. B. das Siedlungsprojekt Lehndorf (geplante Kleinsiedlung) zu fördern. Im Jahre 1933 wurde unter dem Motto "Auflockerung der Großstädte" mit der Sanierung der Altstädte begonnen.

Am 16. Dezember 1933 begann die Sanierung in Braunschweig. Durch diese Altstadtsanierung, in deren Verlauf in Braunschweig 1367 Wohnungen saniert wurden, gingen weitere 336 Wohnungen verloren. Die bestehende Wohnungsnot wurde dadurch noch größer. Nur durch umfangreiche Neubauten konnte dringende Abhilfe geschaffen werden. In Braunschweig ergab sich für 1933 ein Bedarf von 2500 bis 3000 Wohnungen.
Mit dem "Gesetz über die Aufschließung von Wohnsiedlungsgebieten" vom 22. September 1933 (RGB1. I S. 659) und dem "Gesetz über einstweilige Maßnahmen zur Ordnung des deutschen Siedlungswesens" vom 3. Juli 1934(RGB1. I S. 568) wurde der Grundstein für die Planung und den Bau von Siedlungen gelegt. Durch den Bau neuer Siedlungen sollte nicht nur die allgemein bestehende Wohnungsnot beseitigt, gleichzeitig sollten auch die Arbeitslosen - in Braunschweig betrug die Zahl am 31. März 1933 = 20108 Arbeitslose - in den Arbeitsprozeß eingegliedert werden. Der Bau der Siedlungen war aber nicht nur eine wichtige Maßnahme im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit; man versprach sich auch eine Ankurbelung der Bauwirtschaft als einer Schlüsselindustrie mit positiven Auswirkungen in anderen Industriezweigen.

Am 16. Dezember 1933 begann die Sanierung in Braunschweig. Durch diese Altstadtsanierung, in deren Verlauf in Braunschweig 1367 Wohnungen saniert wurden, gingen weitere 336 Wohnungen verloren. Die bestehende Wohnungsnot wurde dadurch noch größer. Nur durch umfangreiche Neubauten konnte dringende Abhilfe geschaffen werden. In Braunschweig ergab sich für 1933 ein Bedarf von 2500 bis 3000 Wohnungen.
Mit dem "Gesetz über die Aufschließung von Wohnsiedlungsgebieten" vom 22. September 1933 (RGB1. I S. 659) und dem "Gesetz über einstweilige Maßnahmen zur Ordnung des deutschen Siedlungswesens" vom 3. Juli 1934(RGB1. I S. 568) wurde der Grundstein für die Planung und den Bau von Siedlungen gelegt. Durch den Bau neuer Siedlungen sollte nicht nur die allgemein bestehende Wohnungsnot beseitigt, gleichzeitig sollten auch die Arbeitslosen - in Braunschweig betrug die Zahl am 31. März 1933 = 20108 Arbeitslose - in den Arbeitsprozeß eingegliedert werden. Der Bau der Siedlungen war aber nicht nur eine wichtige Maßnahme im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit; man versprach sich auch eine Ankurbelung der Bauwirtschaft als einer Schlüsselindustrie mit positiven Auswirkungen in anderen Industriezweigen.

Am 16. Dezember 1933 begann die Sanierung in Braunschweig. Durch diese Altstadtsanierung, in deren Verlauf in Braunschweig 1367 Wohnungen saniert wurden, gingen weitere 336 Wohnungen verloren. Die bestehende Wohnungsnot wurde dadurch noch größer. Nur durch umfangreiche Neubauten konnte dringende Abhilfe geschaffen werden. In Braunschweig ergab sich für 1933 ein Bedarf von 2500 bis 3000 Wohnungen.

Vom Hochbauamt der Stadt Braunschweig wurde 1934 ein Gesamtsiedlungsplan erstellt. Wie der mittelalterliche Kern der Stadt seinen Abschluß durch den Wallring gefunden hatte, so sollte nach den liberalistischen Bauvierteln ein sogenannter "Grünring" - hauptsächlich aus Kleingärten bestehend - gebildet werden. Um diesen Grün- oder Gartenring sollten die Siedlungen (Lehndorf, Mascheroder Holz, Fritz-Alpers-Siedlung u. a.) bandartig gebaut werden. Der schaffende Mensch sollte hier nach der Arbeit die notwendige Ruhe und Erholung finden.
Ein Teil der Bewohner kam aus der Umgebung Braunschweig, der größte Teil aber aus der Stadt Braunschweig. Viele Familien, die aus der Stadt Braunschweig kamen, stammten aus der Innenstadt und wohnten teilweise in den Sanierungsgebieten. Familien aus den Sanierungsgebieten zogen überwiegend in Mietwohnungen. Soweit sie siedlungswillig und -fähig waren, bezogen sie auch Siedlerstellen.
Neben der Werbung durch eine Ausstellung im Rathaus - wie auf Seite 17 erwähnt - wurde in Braunschweiger Industriebetrieben in Betriebsversammlungen für die Wohnungen und Siedlerstellen geworben. Einige Industriewerke erklärten sich bereit, den Bau der Siedlung dadurch zu fördern, daß sie den baulustigen Gefolgschaftsmitgliedern einen Zuschuß in der gleichen Höhe des Betrages anboten, den der Bewerber selbst aufzubringen hatte.
Bei der Auswahl der Siedler berücksichtigte man besonders Facharbeiter und Angestellte. Die für die Kleinsiedlung in Frage kommenden Siedler mußten verheiratet, erbgesund und nicht über 45 Jahre alt sein. Das Einkommen durfte im Monat nicht mehr als 250 RM betragen. Die Zugehörigkeit zur NSDAP oder einer ihrer Gliederungen war nicht Bedingung, wohl aber mußte der Siedler mit Gartenbau und Kleintierhaltung vertraut sein oder ein entsprechendes Verständnis dafür aufweisen. Dazu mußte ein Fragebogen ausgefüllt werden, der sehr ausführliche Auskünfte über Familienstand, berufliche und nebenberufliche Betätigung, politische Vergangenheit und wirtschaftliche Lage verlangte. Zusätzlich wurden Auskünfte beim Arbeitgeber eingeholt. Schwerbeschädigte aus dem Ersten Weltkrieg wurden gefördert.

Durch die gleichzeitige Förderung des Eigenheimbaues versuchte man eine Zusammensetzung der Bewohner der Siedlung entsprechend der übrigen Bevölkerung zu erreichen. Genau Zahlen zur Bevölkerungsstruktur sind für die Südstadtsiedlung nicht vorhanden.

In Lehndorf, einer Siedlung, die in der gleichen Zeit gebaut wurde wie die Siedlung Mascherode, setzte sich die Bevölkerung z. B. wie folgt zusammen: 5% Selbständige, 6% Beamte, 17% Angestellte, 46% gelernte Arbeiter, 23% ungelernte Arbeiter, 3% ohne Beruf .

Der bauliche Querschnitt reichte von der Kleinsiedlung über das Einfamilienhaus bis zur Mietwohnung. Hinzu kamen Ladenbauten, Gaststätten, ein Gemeinschaftshaus, eine Schule und andere Gemeinschaftsemrichtungen. Der Bau von Kirchen war in der Planung nicht vorgesehen. Es war beabsichtigt, zunächst 600 Wohnungen für ca. 2000 Menschen zu bauen.
Mit der Siedlung Lehndorf, wo die ersten, hauptsächlich kinderreichen Familien neue Wohnungen bezogen hatten, entstand die erste Siedlung dieser Art. Sie galt als Muster für die Siedlung Mascheroder Holz. Die bei der Gemeinschaftssiedlung Lehndorf angewandten Grundsätze sollten hier in noch ausgeprägterer Weise verwirklicht werden. Die Siedlung sollte von ihrer Anlage und Ausstattung einen hohen Erholungs- und Freizeitwert haben.
Für die Planung der "Südstadtsiedlung am Mascheroder Holz" fertigte daher das Hochbauamt der Stadt Braunschweig 1935 einen Lageplan im Maßstab 1:1000 nebst Höhenkurven an. Zu diesem Zweck wurde ein Gelände von ca. 50 ha durch 1200 Höhenpunkte bestimmt. Nach dem Lageplan beabsichtigte man, die Siedlung nördlich des Mascheroder Holzes zu bauen. Der Möncheweg bildete die Grenze im Osten. Die Bezeichnung "Möncheweg" kommt von Mönekenweg, also der Weg der Mönche vom Kloster Riddagshausen zu ihrem damaligen Besitz in Mascherode.
Die Sand- und Müllgruben an der Landstraße nach dem Dorf Mascherode verhinderten eine Ausdehnung der Bebauung im Westen. Im Norden sollte ein Grüngürtel die Grenze bilden.
Mehrere Kleingartenvereine sowie der Golfplatz bilden heute den Grüngürtel. Er ist gleichzeitig der Puffer zwischen der Siedlung und der ausgedehnten Fläche des Verschiebebahnhofs. Dieses Gelände, auf dem die Siedlung gebaut werden sollte, bedeckte bis zum 16. Jahrhundert ein ausgedehntes Waldgebiet, das sich vom Nußberg bis zur Salzdahlumer Straße erstreckte.
In den folgenden Jahrhunderten wurde der Wald nach und nach gerodet, um als Ackerland oder Wiese genutzt zu werden. Die Flurbezeichnung "Wolfshagen" erinnert noch heute an eine Wüstung - ehemalige Siedlung gleichen Namens -, die sich in dem Wald befand. Scherbenfunde deuten darauf hin, daß die Siedlung zwischen dem 13. und 15 Jahrhundert bestanden haben muß.
Der Name Wolfshagen erscheint auch in einer Urkunde vom 1. Februar 1300, als der Braunschweiger Bürger Jordan Stapel, zwei Hufen im Dorf Rautheim (Rhotne) und drei Hufen in der Feldmark Wolfshagen, dazu zwei Wälder, nämlich Wolfshagen und Heidberg an den Convent des Klosters des hl. Aegidius in Braunschweig verkaufte.

Ende des 19. Jahrhunderts befand sich in diesem Gebiet ein Exerzierplatz. Das Städtische Krankenhaus Salzdahlumer Straße wurde auf dem Gelände des ehemaligen Exerzierplatzes erbaut. Im Park des Krankenhauses war vor einigen Jahren noch der Verlauf der damals ausgehobenen Schützengräben zu erkennen.
Bei der Eingemeindung von 35 ha Land des Dorfes Mascherode und 130 ha von Rautheim am 1. April 1934 wurden Teile der Wüstung Wolfshagen als Siedlungsfläche für die "Südstadtsiedlung am Mascheroder Holz" ausgewiesen.
Da die Südstadtsiedlung eine "Mustersiedlung der Deutschen Arbeitsfront" werden sollte, wurden die Planungsarbeiten im wesentlichen von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) übernommen. Leiter des Architekturbüros der DAF war Baurat Julius Schulte-Frohlinde. Dipl.-Ing. Rudolf Rogler, Mitarbeiter und stellvertretender Leiter des Architekturbüros, war als Planer wesentlich an der "Lehrsiedlung Mascherode" (Vierjahresplan-Siedlung) beteiligt. Wie die "Braunschweiger Tageszeitung" am 29. August 1936 schrieb, sollte Braunschweigs Südstadtsiedlung eine der schönsten Siedlungen werden, die man sich denken kann.
Die Verwaltung der Stadt Braunschweig mußte die Siedlerwerbung für die Südstadtsiedlung Mascherode durchführen. Diese Tätigkeit bestand in der Beratung über Siedlerfragen sowie in der Entgegennahme und Bearbeitung der Anträge. Die Bearbeitung der Anträge des letzten Abschnittes für 58 Siedlerstellen erfolgte im Jahre 1938.

Im I. Stock des Rathauses konnten im Sommer 1936 Modelle und Pläne besichtigt werden. Für Interessierte gab es Prospektmaterial, worin auf die günstigen Bedingungen beim Erwerb eines Eigenheimes oder einer Siedlerstelle hingewiesen wurde. Die Zahl der für den ersten Bauabschnitt vorgesehenen Bauten verteilten sich ungefähr folgendermaßen:

Die Industriewerke, in deren Bereich die Siedlung lag, boten "ihren Stammarbeitern" Arbeitgeberdarlehen in Höhe der Eigenleistungen an. Mit der Kleinsiedlerstelle sollte den Siedlern - Kleinsiedlungen waren Wirtschaftsstellen - durch Nutzung ihres Landes (Garten) und durch Kleintierhaltung eine Ergänzung ihres hauptsächlichen Einkommens ermöglicht werden. Der damalige Reichsarbeitsminister Franz Seldte führte für den Bau von Kleinsiedlungen verschiedene Gründe an:
1. Die Kleinsiedlung ist die beste und billigste Siedlungsform für den deutschen Arbeiter.
2. Die Kleinsiedlung ist das soziale Wohnungsideal für diejenigen Arbeiter, die aus der breiten Masse der arbeitenden Schichten zu Eigentum kommen wollen.
3. Die Kleinsiedlung ist auch allgemein staatspolitisch von höchster Bedeutung. Sie verbindet den werktätigen Arbeiter mit dem Grund und Bodenund macht ihn zu einem heimatverbundenen und politisch gefestigten Mitglied der Volksgemeinschaft.
4. Die Kleinsiedlung ist auch besonders geeignet, bevölkerungspolitische Aufgaben zu erfüllen. Auf eigenem Grund und Boden wird der Wille zum Kind gestärkt.

Die Küche wurde bei den Kleinsiedlerstellen als Wohnküche genutzt, 2 bis 3 Räume waren als Schlafzimmer und Kinderzimmer vorgesehen. War das Dachgeschoß nicht ausgebaut, betrug die Wohnfläche durchschnittlich 36 bis 40 qm. Bei einem Dachgeschoßausbau erhöhte sich die Wohnfläche auf 53 bis 60 qm. Zu der Wohnfläche kam der Wirtschaftsteil, der aus einem Kleintierstall, einem Wirtschaftsraum und teilweise noch einem Geräteschuppen bestand. Die Siedlerstellen waren teilunterkellert. Zu jeder Siedlungsstelle gehörte ein Garten von 600 bis 1000 qm.

Um die Kleinsiedler vor hohen laufenden Belastungen zu schützen, sollten die Gesamtkosten für den Aufbau und die Einrichtung einer Kleinsiedlerstelle -wie Helmut Richard! in der Zeitschrift "Bauen, siedeln, wohnen" im Jahr 1936 berichtet - den Betrag von 4000 RM regelmäßig nicht übersteigen.

Grundsätzlich mußten die Siedler 20% der Bau- und Bodenkosten als Eigenleistung aufbringen - kinderreiche Siedler nur 15% .
Diese Preise konnten nicht gehalten werden, da die Häuser in der Siedlung Mascherode größer als in anderen Siedlungen gebaut wurden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 6000 bis 7000 RM für eine Siedlerstelle. In der Südstadtsiedlung lag die monatliche Belastung bei 30 RM. Die Kleinsiedlungen wurden gefördert durch unverzinsliche Reichsdarlehen, geringe Zinsen bei anderen Darlehen, Erlaß der Verwaltungskosten u. a. Wie beim Bau der Siedlung Lehndorf war es möglich, einen Teil der Bausumme, wenn kein eigenes Geld vorhanden war, mit Spaten und Schaufel abzuarbeiten.

Neben den Kleinsiedlerstellen wurden Eigenheime gebaut, deren nutzbare Wohnfläche bis zu 150 qm betragen durfte. Die Gartenfläche war kleiner als bei den Siedlerstellen. Außerdem hatten die Eigenheime keinen Wirtschaftsteil; die Küchen waren im Gegensatz zur Siedlerstelle nicht für Wohnzwecke vorgesehen. Bei den Eigenheimen ergab sich Jedoch eine größere Vielfalt der Formen als bei den Siedlerstellen.
Der Preis für ein Eigenheim sollte den Betrag von 15000 Reichsmark möglichst nicht überschreiten. 25 des Kaufpreises mußten als Eigenkapital aufgebracht werden. Besitzer von Eigenheimen, die bis zum 30. September 1939 bezugsfertig waren, wurden von der Einkommens-, Vermögens- und Grundsteuer des Landes und halber Grundsteuer der Gemeinde bis zum 31. April 1944 befreit. Der Erwerber mußte das Haus selbst bewohnen und den Zweck als Wohnhaus erhalten. Die monatliche Belastung betrug je nach Typ zwischen 50 und 80 RM.
An der Griegstraße und am Luchtenmakerweg wurde eine größere Anzahl von Mietwohnungen errichtet. Mietwohnungen, die nicht als Volkswohnungen ausgewiesen waren, hatten eine größere Wohnfläche und bessere Ausstattung. Ein großer Teil dieser Wohnungen wurde in den letzten Jahren modernisiert. Volkswohnungen, waren billiger als Mietwohnungen, da sie einfacher ausgestattet und kleiner waren. Außerdem wurden sie mit Reichsdarlehen gefördert. Hierfür stellte die Regierung bis 1937 ca. 100 Millionen Reichsmark zur Verfügung.
Im nördlichen Erweiterungsabschnitt, also nach 1937, wurden keine Volkswohnungen mehr erstellt, weil auch für braunschweigische Wohnverhältnisse die nach den Bestimmungen zu schaffenden Wohnflächen als zu klein angesehen wurden. Ein Erlaß des Reichsarbeitsministers aus dem Jahre 1937 brachte weitere Erleichterungen für den Volkswohnungsbau. Das Reichsdarlehen, das bisher 1000 RM betrug, wurde auf 1500 RM erhöht und deren Verzinsung nachdrücklich gesenkt. Die Höchstgrenze der Herstellungskosten - ausschließlich Grundstücks- und Erschließungskosten - wurden auf 4500 RM, in Ausnahmefällen auf 5000 RM, erhöht. Ein Unterschied wurde auch zwischen Volkswohnungen für kinderreiche und kinderarme Familien gemacht. In erster Linie waren sie für Familien mit geringem Einkommen gedacht. Das Monatseinkommen sollte höchstens 120,- RM betragen, so daß eine Miete von etwa 20-25 RM monatlich aufzubringen war. Für kinderreiche Familien betrug die Miete für eine Wohnung von 56 bzw. 61 qm reiner Wohnfläche 32 Reichsmark.

Da sich der Grund und Boden, auf dem die Siedlung gebaut werden sollte, in Privatbesitz befand, mußte erst die Stadt Braunschweig diese Flächen erwerben, um sie dann an die Baugesellschaften, wie Nibelungen-Wohnbau-GmbH, Allgemeine Häuserbau AG (AHAG), Gesellschaft für Haus- und Grundbesitz usw., zu verkaufen. In ihrem endgültigen Umfang sollte die Südstadtsiedlung etwa 79 ha oder 316 Morgen umfassen. Von dieser Fläche waren Ende 1936 bereits 46 ha im Besitz der Stadt. Obwohl bereits im Jahre 1935 drei Straßenzüge und 60 Bauplätze abgesteckt und versteint wurden, muß als eigentliches Geburtsjahr der Südstadtsiedlung das Jahr 1936 angesehen werden.

Die ersten Häuser erstanden an der Marienburgstraße - jetzt Wesemeierstraße - und an der Robert-Ley-Straße - heute Griegstraße. Noch vor Beginn der eigentlichen Bauarbeiten hatte man die Versorgungsleitungen zu der künftigen Siedlung verlegt. Hierbei konnten auch ungelernte Arbeitskräfte eingesetzt werden.

Auch mit dem Ausbau der Straßen wurde Anfang 1936 begonnen; für einen Betrag von 30000 Reichsmark wurde damit eine Strecke von 1500 m gebaut. Die Straßenbauarbeiten, welche auch als Notstandsarbeiten vorgesehen waren, wurden infolge des Fehlens von vermittlungsfähigen Arbeitskräften als freie Arbeit durchgeführt.
Der Straßenbau sollte in den Siedlungen nicht zu teuer werden. Breite und Befestigung von Straßen, Plätzen und Wegen sollten das unbedingt notwendige Maß nicht überschreiten. Man wollte die Siedler nicht mit noch höheren Kosten belasten. Das Reichsheimstättenamt hatte 1936 darauf hingewiesen, daß selbst bei zweispurigen Straßen die Breite des Fahrdammes in der Regel nicht mehr als 5 m zu betragen brauchte. Auch könnte teilweise auf besondere Gehsteige verzichtet werden.
Von dieser Regelung hat man beim Straßenbau in der Siedlung ausgiebig Gebrauch gemacht. Es gibt wenige Straßen, die breiter sind als 5 m und einen Gehweg haben. Alte Flurbezeichnungen der Ackerflächen, auf denen die Siedlung zum Teil gebaut wurde, gaben den Straßen Hillenort, Karrenkamp, Vor dem Holze, Wolfshagen und Heidbleekanger ihre Namen. Andere Straßennamen erhielten die Bezeichnung von Handwerksberufen, z. B. Glaserweg, Maurerweg, Tischlerweg, Sattlerweg usw.

Aus politischen Gründen wurden 1945 mehrere Straßen umbenannt. Die Crössinseestraße hieß jetzt Rathenaustraße, die Heinrich-Lersch-Straße wurde in Engelsstraße umgetauft. Die Ludwig-Troost-Straße in Friedrich-Nietzsche-Straße, Reinhold-Muchow-Straße in Retemeyerstraße, Sonthofenstraße in Hohenstaufenstraße, der Robert-Ley-Platz in Welfenplatz und die Robert-Ley-Straße in Griegstraße.
Bereits Ende 1936 waren 17 Straßenzüge und 225 Bauplätze abgesteckt und versteint. Im selben Jahr am 1. Dezember 1936 - erfolgte der erste Spatenstich für den Bau der Schule.

Die im Jahre 1936 begonnenen Bauarbeiten wurden 1937 in verstärktem Maße fortgesetzt. In der Stadt Braunschweig war die Siedlung Mascheroder Holz die größte Baustelle. Mit der farblichen Ausgestaltung der Siedlung wurde der Malermeister Alwin Grashoff beauftragt. Er hatte die Farbgestaltung sowohl der ganzen Straßen im Zusammenhang, wie auch der einzelnen Häuser angegeben und viele Einzelheiten, z. B. Hauszeichen, die auf den Beruf des Besitzers hindeuten, ferner Schrift- und Berufszeichen des betreffenden Handwerks an Geschäften ausgeführt oder ausführen lassen.
Für die Gestaltung der gärtnerischen Anlagen war der Gartenarchitekt A. Petri verantwortlich. Mit Sachkenntnis und großer Ausdauer hat er das Freihalten des Straßenraumes von Baumgruppen und die Gestaltung der Vorgärten im Rahmen der Gesamtplanung verwirklicht. Die Aufstellung von Drahtzäunen im Vorgarten konnte ganz verhindert werden; dafür wurden Hecken gepflanzt.
Mit der Einrichtung der Autobuslinie Richmond-Siedlung Mascherode am 8. Februar 1937 war der Anschluß an das öffentliche Verkehrsnetz vollzogen.

An den bis Ende 1937 erstellten fast 1100 Wohnungen waren u. a. die Nibelungen-Wohnbau-GmbH, die Gesellschaft für Haus- und Grundbesitz, die Allgemeine Häuser- und Industriebau-Aktiengesellschaft und die Firma Weiß maßgeblich beteiligt. Die schon Anfang 1937 eingetretene Knappheit an normalen Backsteinen machte die Verwendung von Hohlsteinen und Schwemmsteinen nötig. Eine eigene Gärtnerei der Niwobau am Sandgrubenweg versorgte die Baugesellschaft mit dem nötigen Pflanzenmaterial. Bis Ende 1937 waren mit einer Summe von 300000 RM ca. 6,5 km Straße fertiggestellt. 1938 wurden die Straßenbauten vorwiegend im nördlichen Erweiterungsgebiet fortgesetzt und nahezu vollendet. Für den Straßenbau wurden bis zum Schluß der Berichtszeit (März 1939) rd. 585 000 RM verausgabt. Erst zu Beginn der 50er Jahre wurden die Straßen asphaltiert. Zwei Jahre nach Erstellung des Lageplanes und nach Beginn der ersten Bauarbeiten konnte man Ende 1937 sagen, daß die Südstadtsiedlung Gestalt angenommen hatte.

Um eine größere Rentabilität der Anschlußkosten zu erreichen, entschloß man sich Ende 1937, die Siedlung nach Norden zu erweitern. Diese Erweiterung mit einer Fläche von 27,5 ha sah den Bau weiterer 15 Straßen vor, deren Grenzen zunächst für den Straßenbau örtlich festgelegt wurden. Im nördlichen Teil wurden daher zu Beginn des Jahres 1938 weitere 250 Bauplätze abgesteckt und versteint.

Zur Errichtung von Klein- und Volkswohnungen wurden 1938 weitere stadteigene Grundstücksflächen an die Nibelungen-Wohnbau-GmbH verkauft. Außerdem wurden weitere Bauplätze für die Errichtung von Eigenheimen und 4 Bauplätze zur Errichtung von Geschäftshäusern sowie Gelände zum Bau eines NSV-Kindergartens zur Verfügung gestellt. Der Kindergarten - auf dem Plan Kinderheim genannt - sollte an der Retemeyerstraße neben dem Gemeinschaftshaus gebaut werden. Durch den Krieg konnte die Planung - 3 große Räume, Zimmer für Kinderschwester, Zimmer für Arzt und eine Hausmeisterwohnung - nicht verwirklicht werden.

Nach Fertigstellung des Erweiterungsabschnittes sollte die Siedlung Mascheroder Holz etwa 6000 Menschen eine Wohnung bieten. 1938 war die Bebauung bis zum Möncheweg vorgerückt. Die Gesamtzahl der bis 1938 erstellten Wohnungen erhöhte sich auf etwa 1300. Mit Ablauf des Jahres 1938 konnte der Auf- und Ausbau der Südstadtsiedlung Mascheroder Holz für den südlichen Abschnitt als beendet angesehen werden. Lediglich im nördlichen Erweiterungsgebiet wurden im Jahre 1939 noch einige Wohnungen errichtet.
Unter anderem baute man hier für das Personal der "Akademie für Jugendführung der Hitlerjugend" mehrere Eigenheime. Die kriegsbedingte Reduzierung des Personals führte dazu, daß einzelne Häuser anderweitig vermietet und später verkauft werden konnten.
Nach den Ausführungen von Oberregierungsrat Steffen über die Reichsarbeitstagung des Reichsheimstättenamtes der DAF vom 22. - 28. November 1939 sollte der soziale Wohnungsbau neben den kriegswichtigen Bauten auch während des Krieges weitergeführt werden. Bevorzugt galt das für Gefolgschaftswohnungen der Rüstungsbetriebe.

Von etwa 150000 Wohnungen, die im Deutschen Reich im Bau waren, seien kaum 20000 stillgelegt worden. Nachdem im April 1942 die Zuständigkeit zur Verteilung der vorhandenen Rohstoffe dem Reichsminister für Bewaffnung und Munition Albert Speer übertragen war, wurde von diesem ein sofortiger Baustopp und ein Verbot von Friedensplanungen angeordnet. Damit wurden alle Neubauten eingestellt und die nördliche Erweiterung vorläufig abgeschlossen. Entwicklung der Bebauung in der Siedlung:

Der Krieg veränderte auch das Bild der Siedlung. Auf dem heutigen Gelände des Hermann-Löns-Parkes lagerte mehrere Jahre erbeutetes Kriegsmaterial aus dem Polenfeldzug. An der Stelle des Bolzplatzes im Löns-Park und an der Retemeyerstraße gegenüber der Schule wurden Feuerlöschteiche angelegt. Im Winter waren es ideale Flächen zum Schlittschuhlaufen. Ein Lager für Fremdarbeiter wurde 1942 an der damaligen Robert-Ley-Straße gebaut. Heute befindet sich dort das Lager für deutsche Aussiedler. Luftangriffe auf die Stadt Braunschweig richteten auch in der Siedlung teil- weise erhebliche Schäden an. Waren es am 14. Januar und 30. Januar 1944 nur geringfügige Schäden, so waren am 10. Februar 1944 außer beträchtlichen Sachschäden die ersten Toten, darunter 5 Schulkinder, zu beklagen.

Bei weiteren Angriffen am 24. April, 13. August, 17 September und 15. Oktober 1944 sowie am 3. März 1945 gab es zahlreiche Tote und es wurden weitere Grundstücke zerstört oder beschädigt. Am Vormittag des 31. März 1945, wenige Tage vor Besetzung der Stadt Braunschweig durch alliierte Truppen, hatte die Siedlung einen der schwersten Luftangriffe zu überstehen. Neben vielen Toten war ein erheblicher Sachschaden zu beklagen. Es gab kaum ein Haus, das nicht beschädigt war, und der Krieg war noch immer nicht zu Ende. Tag und Nacht heulten die Sirenen. Tiefflieger beschossen Eisenbahnzüge, Kraftfahrzeuge usw.

Am 10. April begann die Beschießung der Stadt durch amerikanische Artillerie, die nur während der ergebnislosen Verhandlung an der Schleuse von Wedtlenstedt über eine Kapitulation von einer Kampfpause unterbrochen wurde.

Nach dem Selbstmord des NS-Bürgermeisters Dr. Hans-Joachim Mertens verhandelte der kommissarische Oberbürgermeister Dr. Erich Bockler im Polizeipräsidium mit den Vertretern der amerikanischen Armee und übergab die Stadt Braunschweig am 12. April 1945 um 2.59 Uhr kampflos der 2. US-Panzerdivision. Zu dieser Zeit hatten die alliierten Truppen bereits die Elbe erreicht und an einem Punkt überschritten.

Durch die bedingungslose Übergabe der Stadt wurde ein bevorstehender und für die Stadt schwerster Luftangriff, der die restlose Vernichtung der Stadt Braunschweig bedeutet hätte, abgewendet. Der sinnlose Kampf auf den Barrikaden der Stadt Braunschweig "Haus für Haus, Stein für Stein" - wie er von den damaligen Machthabern gefordert wurde - war vermieden. An diesem Tag besetzten amerikanische Truppen der 30th Infantry Division, vom Dorf Mascherode kommend, die Siedlung. Nur zögernd wagte man sich aus dem Keller und konnte nicht glauben, daß jetzt das Schlimmste vorüber war. Der Strom der auf ihren Jeeps, Lastwagen und Panzern vorüberziehenden fremden Soldaten schien nicht abreißen zu wollen.

Nach fünf Jahren, sieben Monaten und elf Tagen war der Krieg für die Bewohner der Siedlung Mascheroder Holz endlich zu Ende. 5244 Gefallene und 2905 Luftkriegstote (darunter 1286 Ausländer) waren bei Kriegsende in der Stadt Braunschweig zu beklagen.

Amerikanische Infantrieeinheiten besetzen die Stadt Braunschweig Foto: Keystone

Während das Gemeinschaftshaus beschlagnahmt wurde, mußten die Bewohner an der Nordseite des Welfenplatzes in kürzester Zeit ihre Häuser für die amerikanischen Soldaten räumen. Durch Bomben aufgerissene Straßen, zerstörte und beschädigte Häuser bestimmten wie überall in Deutschland das äußere Bild.

Täglich kamen zu den Ausgebombten die Flüchtlinge aus Ostpreußen, Schlesien und den anderen deutschen Ostgebieten, die eine Unterkunft suchten. In der Stadt Braunschweig wurden im Jahre 1946 insgesamt 38819 Flüchtlinge und Evakuierte gezählt. Dazu kamen 43109 Luftkriegsgeschädigte. Die Menschen wurden in den vorhandenen Wohnräumen immer mehr zusammengedrängt. Da die vorhandenen und bereits überbelegten Wohnräume nicht ausreichten, mußten vielen Familien die Bunker als vorläufiges Quartier dienen.

Von dem vor dem Kriege in der Stadt Braunschweig vorhandenen 269000 Wohnräumen (ohne Küche) gab es jetzt noch 130000. Wohnten Ende 1939 etwa 6000 Personen in der Siedlung, so stieg die Einwohnerzahl jetzt stark an und erreichte in den Jahren 1946 bis 1950 durchschnittlich ca. 10000 bis 12000 Personen.
Der Wille zur Verbesserung der Wohnverhältnisse und zur Beseitigung der Kriegsschäden war vorhanden, aber Zement, Steine, Holz, Dachziegel, ja selbst Nägel und Schrauben waren Kostbarkeiten, die kaum jemand besaß oder beschaffen konnte. Auch die Zuteilung der Baustoffe durch die Ende 1945 eingerichtete Baustoff! Die Leitstelle war nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Infolgedessen blühte der "Schwarze Markt" mit Baumaterial genauso wie der Schwarzmarkt mit Zigaretten, Lebensmitteln usw. Bis etwa 1950 beschränkten sich daher die Bauarbeiten fast ausschließlich auf die Reparatur von Kriegsschäden oder kleinere Umbauten.

Übrigens - wer kennt noch die damaligen offiziellen Preise und die Schwarzmarktpreise?

Die Preise waren in den verschiedenen Gegenden Deutschlands unterschiedlich und konnten von der hier angegebenen Höhe abweichen. Im Vergleich dazu betrug der monatliche Lohn eines Arbeiters in den Jahren 1945 - 1948 zwischen 150,- und 200,- RM.
Wer kein Geld für den Schwarzmarkt hatte, konnte es mit einer kleinen Tauschanzeige in der Zeitung versuchen: "Biete Markenfüllfederhalter, suche Briketts" oder "Suche Kochtöpfe biete Gardinen, suche Heizmaterial biete meine Zigarettenration" usw. In einigen Städten wurden Tauschzentralen eingerichtet.

Mit der Aufhebung der Rationierung von Zucker im März/April 1950 wurde die im September 1939 eingeführte Lebensmittelbewirtschaftung endgültig aufgehoben. Omnibusse und Straßenbahnen fuhren noch nicht wieder, da das öffentliche Verkehrsnetz weitgehend zerstört war. Zur Arbeitsstelle - und diese lag meistens in der Stadt - ging es nur auf "Schusters-Rappen" - und das, obwohl die Schuhsohlen genauso knapp waren wie die Lebensmittel. Mit dem Fahrrad wagte man nicht zu fahren, denn zu oft wurde es mit Gewalt entwendet.

Die offizielle Zuteilung laut Lebensmittelkarten bewegte sich bei 1500 Kalorien, oft genug waren es weniger als 1000 Kalorien, pro Tag. In der 76. Zuteilungsperiode vom 28. Mai 1945 bis 10. Juni 1945 konnten wöchentlich bezogen werden: 1550 g Brot, 250 g Fleisch, 125 g Butter, 75 g Nährmittel, 2000g Kartoffeln und 25 g Kaffee-Ersatz. Für Kinder gab es zusätzlich 62,5 g Marmelade und 125 g Zucker. Mit viel Glück und langem Schlangenstehen erhielt man auch vielleicht die vorgesehene Menge.

Nach der Instandsetzung des Verkehrsnetzes war es ab 14. Juni 1945 möglich, den Straßenbahn- und Autobusbetrieb in beschränktem Umfang wieder aufzunehmen. Laut Fahrplan vom Juli 1945 bestand von Montag bis Freitag von 6.00 bis 9.20 Uhr und von 16.00 bis 19.20 Uhr sowie sonnabends von 13.00 bis 16.00 Uhr im Abstand von 10 Minuten eine Autobusverbindung von der Siedlung Mascherode nach Querum. Die verkehrsmäßige Anbindung an die Siedlung Lindenberg - deren Baubeginn für ca. 1400 Wohnungen im Jahre 1939 war- erfolgte mit der Einrichtung einer Autobus-Linie am 18. September 1950.

Zur Erholung für die Einwohner der Siedlung wurde 1952 mit dem Ausbau einer ca. 11 Morgen großen Grünfläche begonnen. 2300 cbm Boden mußten bewegt werden; das Stadtgartenamt pflanzte mehrere Tausend Sträucher und 120 Bäume. Diese Grünanlage wurde am 31. Mai 1953 als "Hermann-Löns-Park" eingeweiht. Ratsherr Hans Leonhards begrüßte zur Einweihungsfeier Oberbürgermeister Dr. Kurt Semler, Oberstadtdirektor Dr. Erich Walter Lotz und Stadtgartenbaudirektor Alexander Druxes - als Schöpfer des Parks - sowie zahlreiche Ratsherren. Darbietungen des Männergesangsvereins "Liedertafel" Braunschweig-Süd und gymnastische Vorführungen der Mädchen des Sportvereins Braunschweig-Süd umrahmten die Feier. Neben einem Kinderspielplatz wurde ein Hartplatz für Ball- und Bewegungsspiele hergerichtet. Ein großer gemauerter Rundteil für kulturelle Veranstaltungen vervollständigte die Anlage. An der Westseite des Parks wurde ein Gedenkstein für die Toten aufgestellt.

Zum Schutz des Ortsbildes der Siedlung beschloß der Rat der Stadt Braunschweig am 20. Juni 1951 die "Satzung zur Gestaltung des Stadtgebietes der Siedlung Mascherode". Die Vorschriften dieser Satzung besagen u. a., daß sich die baulichen Einzelheiten der vorhandenen Einzelgestaltung der Siedlung anpassen müssen.

Reichsheimstätten oder nach den Kleinsiedlungsbestimmungen bebaute Grundstücke sind für die Errichtung von gewerblichen Anlagen ausgeschlossen. Um den Wohncharakter der Siedlung zu bewahren, ist z. B. Außenwerbung nur an den für gewerbliche Nutzung vorgesehenen Gebäuden zulässig.

Nachdem sich die wirtschaftlichen Verhältnisse nach der Währungsreform am 20. Juni 1948 gebessert hatten, begann man mit dem Wiederaufbau der durch Bombenangriffe zerstörten Häuser.
Zur Behebung der Wohnungsnot wurden auf noch freien Bauplätzen zusätzlich neue Wohnungen gebaut; wie z. B. an der Jüdelstraße, wo im Jahre 1950 40 Dreizimmer-Wohnungen und 16 Einzimmer-Wohnungen mit Küche errichtet wurden. Bereits im Frühjahr 1949 hatte die soziale Baugenossenschaft mit dem Bau von Wohnungen am Baumeisterweg begonnen. Im Beisein von Oberbürgermeister Otto Bennemann, Oberstadtdirektor Dr. Erich Walter Lotz und Braunschweigs Bundestagsabgeordneten Otto Arnhoitz wurde am 26. August 1949 das erste Haus an die Mieter übergeben. Die letzte größere Erweiterung geschah im Westen der Siedlung durch den Bau des Ginsterweges im Jahre 1958.
Danach hat die Bautätigkeit stark nachgelassen. Anfang der 70er Jahre wurde nochmals eine kleinere Fläche an der Nietzschestraße als Bauland erschlossen und mit modernen Flachbauten bebaut.

Durch Beschluß des Rates der Stadt Braunschweig vom 29. Februar 1956 wurde die "Siedlung Mascherode" in "Braunschweig-Südstadt" umbenannt und die Grenzen wie folgt festgelegt: Im Westen durch eine Betonstraße nach Wolfenbüttel, im Norden durch die Gärtnerstraße - Salzdahlumer Straße - Krankenanstalt - Golfplatz bis zum Umspannhaus am Möncheweg und im Osten und Süden durch die Stadtgrenze gegen die Gemeinden Rautheim - Mascherode - Klein Stöckheim.

Die Umbenennung wurde durch Erlaß des Niedersächsischen Ministers des Innern vom 15. Mai 1959 genehmigt. Gegen die Bezeichnung "Südstadt" für den genannten Bereich wurden seitens des Präsidenten des Niedersächsischen Verwaltungsbezirks Braunschweig jedoch Bedenken erhoben.

In den folgenden Jahren wurde die Nachbarschaft - Heidberg - voll ausgebaut. Die Bezeichnung "Südstadt" sowohl für die Nachbarschaft "Heidberg" als auch für die Siedlung "Mascherode" zu verwenden, führte zu Schwierigkeiten, weil diese beiden Stadtteile völlig selbständige Siedlungszellen bildeten. Durch Beschluß des Rates vom 26. März 1969 wurde die Bezeichnung "Braunschweig-Südstadt" nun auf den bisherigen Gebietsteil Braunschweig-Südstadt ostwärts der Salzdahlumer Straße eingeschränkt. Der bisherige Gebietsteil Braunschweig-Südstadt westlich der Salzdahlumer Straße wurde in "Braunschweig-Heidberg" umbenannt.

Entsprechend dem Antrag der Stadt Braunschweig bestimmte der Niedersächsische Minister des Innern durch Erlaß vom 30. Januar 1970 die Benennung der Stadtteile "Braunschweig-Südstadt" und "Braunschweig-Heidberg". Der Stadtbezirk der Südstadtsiedlung hatte 1973 eine Größe von 179,8 ha.

Seit der Antike spielt sich auf den Marktplätzen, an denen die wichtigsten Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude standen, das öffentliche Leben ab. Bauern verkauften hier ihre Erzeugnisse, Geldwechsler tätigten ihre Bankgeschäfte und die Handwerker hatten hier ihre Läden. In den neu erbauten Siedlungen sollte der Marktplatz ebenfalls Mittelpunkt des Lebens werden. Entsprechend den damaligen politischen Verhältnissen sollte er aber auch gleichzeitig Aufmarschplatz sein. An diesen Marktplätzen baute man die Gemeinschaftshäuser, in denen die Dienststellen der NSDAP und ihrer Gliederungen untergebracht und Räume für kulturelle Veranstaltungen vorhanden waren. In der Siedlung Mascheroder Holz beherrscht das Gemeinschaftshaus den Platz.

Gemeinschaftshaus und Marktplatz

Das Gebäude besteht aus zwei Trakten, die rechtwinklig zusammenstoßen; einem Hauptbau von 57,80 m Länge und 19,00 m Breite sowie einem Seitenflügel von 49,72 m und 9,10 m Länge und 10,75 m bzw. 12,00 m Tiefe. Der Hauptbau ist in Bruchsteinmauerwerk errichtet; das Dach in Holzkonstruktion ausgeführt. Bei den Entlastungsbögen über Fenstern und Türen und an den Ecken treten Rusticaquader an Stelle der Bruchsteine. Die Hauptfassade ist die Giebelseite, in deren Mittelzone die Fläche über dem Portal von dem Hoheitszeichen, dem Adler mit ausgebreiteten Schwingen, beherrscht wurde. Darüber sind zwei Reihen mit je drei halbrunden Schallöffnungen untereinander angebracht, die an Schallöffnungen in Glockentürmen erinnern sollten.
Es ist kaum bekannt, daß dahinter tatsächlich ein Glockenraum war. An der Nordseite des Gebäudes mit Blick zu dem rechteckigen Platz befindet sich der sogenannte "Führerbalkon".

Der niedrige Seitenflügel schließt den Welfenplatz nach Osten ab, während das Hauptgebäude die Begrenzung des Platzes nach Süden bildet. Für größere Parteiveranstaltungen, Schul- und Siedlerfeste befand sich im Erdgeschoß des Hauptgebäudes eine große Halle/Festsaal von ca. 650 qm. Die Wände in Bruchstein geschlämmt, der Fußboden roter Wesersandstein, die Fensterlaibungen rot-weiß abgesetzt -. Während des Krieges diente diese Halle, die über tausend Personen fassen konnte, u.a. zeitweilig als Getreidespeicher.
Bevor man die Halle oder auch Gemeinschaftsraum betrat, mußte man durch einen Vorraum, die sogenannte "Ehrenhalle". Sie war dem Gedächtnis der Gefallenen des Ersten Weltkrieges gewidmet. Durch drei hohe Durchlässe mit schmiedeeisernen Toren gelangte man dann in die Halle. Auf der Wand über den Durchlässen standen die Worte "UND IHR HABT DOCH GESIEGT". Unterhalb der Balkendecke standen an den Wänden die Namen der Toten des 9. November 1923. An der Wand waren Leuchter angebracht, die in ihrem unteren Teil wie Fackeln aussahen und Feuerschalen trugen. Im Gemeinschaftsraum ruhte die sichtbare Dachkonstruktion auf sieben Wandpfeilern. An den Wandpfeilern befanden sich ähnliche Leuchter wie in der Ehrenhalle. Unter einem riesigen Adler an der Stirnseite stand auf einem Podest das Rednerpult. Hinter dem Gemeinschaftsraum befand sich ein Lesezimmer und ein Spielzimmer, darüber lag ein sogenannter Feierabendsaal.

Am 27. Juli 1937 fand im Beisein des damaligen Ministerpräsidenten Dietrich Klagges, des Oberbürgermeisters Dr. Wilhelm Hesse, dem Vertreter der deutschen Arbeitsfront und anderen Vertretern des öffentlichen Lebens das Richtfest des vom "Amt Schönheit der Arbeit" geplanten Feierabend- oder Gemeinschaftshauses statt. Da eine Gastwirtschaft in der Siedlung noch nicht vorhanden war, wurde das Richtfest mit Handwerkern, Meister und Architekten im Konzerthaus gefeiert.

Um das Gebäude nicht zu lange leerstehen zu lassen, wurden - noch vor der offiziellen Schlüsselübergabe - bereits am 30. Juni 1938 im Seitenflügel (Verwaltungstrakt) die Diensträume der einzelnen Parteigliederungen durch Vertreter der DAF und der NSDAP im Erdgeschoß bezogen. Im Dachgeschoß wurden die "Scharräume" und Verwaltungsräume für die HJ und für den BDM ausgebaut. Im Auftrage des Reichsorganisationsleiters Dr. Robert Ley wurde dann am 30. April 1939 das Gemeinschaftshaus - das erste in Deutschland, das die Partei geschaffen hatte - durch den Gauleiterstellvertreter Kurt Schmalz in Anwesenheit des Oberbürgermeisters der Stadt Braunschweig Dr. Wilhelm Hesse sowie des Kreisleiters Arnold Krebs eingeweiht und endgültig seiner Bestimmung übergeben.

Unter der Aufsicht der Bauabteilung der DAF wurden von Braunschweiger Privatarchitekten die Geschäftshäuser am Marktplatz geplant. Es waren hierfür zweigeschossige Häuser mit je einem Laden im Erdgeschoß vorgesehen. Das Erdgeschoß ist wesentlich gegen das Obergeschoß erhöht und hat massive, verputzte Außenmauern. Das Obergeschoß ist in Fachwerk gestaltet. Die Häuser grenzen den Platz nach Westen ab. In gleicher Bauweise, jedoch ohne Läden, errichtete man die Wohnhäuser an der Nordseite.

Neben dem Geschäftszentrum am Marktplatz entstand ein weiteres aber kleineres Zentrum auf der Heidehöhe (Bäckerei und Lebensmittelgeschäft). Wie beim Gemeinschaftshaus erfolgte die Dachdeckung dieser Wohn- und Geschäftshäuser mit Braunschweiger Krempziegeln, dessen Grate und Firste mit Schieferleisten eingedeckt wurden. Die Fachwerkbauweise der Grundstücke in Verbindung mit der einheitlichen Dachdeckung sollten mit dem aus Bruchsteinen errichteten Gemeinschaftshaus (Hauptbau) zu einem architektonisch harmonischen Gesamtbild des Marktplatzes führen.

Mit dem Ende des Krieges änderte sich auch die Nutzung des Gemeinschaftshauses. Amerikanische Truppen beschlagnahmten das Gebäude bei der Besetzung 1945 und richteten dort ihre Kommandantur ein. Die große Halle war zum Lagerraum geworden, und auf dem Marktplatz, wo noch Ende 1944 der Volkssturm vereidigt wurde, lag jetzt Kriegsmaterial und standen Panzer der amerikanischen Armee. Nachdem das Gemeinschaftshaus von den Besatzungstruppen geräumt worden war, mußte eine andere Nutzung für dieses Gebäude gefunden werden. Anträge auf Errichtung eines Kinos wurden bereits 1946 gestellt. Bevor aber die Umbauten für das Kino beginnen konnten, fanden in der großen Halle u.a. mehrere Box-Veranstaltungen des Sportvereins-Süd statt.
Am 2. Dezember 1949 konnte im "Roxy-Film-Kasino" der erste Film "Die tolle Miss" mit Ray Ventura und Giselle Pascal vorgeführt werden. Durch diesen Film wurde z. B. der Schlager "Ay-Ay-Ay Maria, Maria aus Bahia" bekannt. Mit 630 Sitzplätzen zählte das "Roxy" in Braunschweig zu den großen Filmtheatern. Besonders auffällig waren die große Bildwiedergabe sowie die gute Ton- und Bildreproduktion. Um auch Theateraufführungen zeigen zu können , hatte man zusätzlich eine Bühne gebaut. Bei der Eröffnung überbrachte Stadtrat Prof. Wilhelm Staats in Vertretung von Oberstadtdirektor Dr. Erich Lotz die Grüße der Stadt.

Das Eröffnungsprogramm mit Tanz und Sketchen, an dem Walter Beißner das Lied des Bajazzo sang, begleitete die Kapelle Hans Huhn. Bei ausverkauftem Haus wurden hier von Wanderbühnen Schauspiele und Operetten aufgeführt. Oft trafen sich nach den Vorstellungen Schauspieler und Einwohner, um noch etwas zu feiern. Hans-Jörg Felmy, heute ein bekannter und erfolgreicher Schauspieler von Theater, Film und Fernsehen, war ein oft und gern gesehener Gast.

Wie überall gingen auch die Besucherzahlen des Roxy-Kinos zurück. Da die Erhaltung des Raumes für andere Aufgaben des öffentlichen Lebens nicht möglich war, wurde der Kino-Saal im Jahre 1963 zu einem Supermarkt um- gebaut. Die gleichzeitig mit diesem Umbau erstellten anderen Räume finden für die Altenbetreuung und als Jugendtreffverwendung. Außerdem können hier Veranstaltungen der Schule, der Vereine usw. durchgeführt werden. In einer Feierstunde während des Volks- und Schützenfestes 1965 übergab Oberbürgermeister Bernhard Ließ weitere neue Gemeinschaftsräume an die Bürgergemeinschaft und die Schule.

Der Polizeirevierposten befindet sich seit 1956 ebenfalls im Hauptteil des Gemeinschaftshauses. Nach kurzer anderweitiger Nutzung der Erdgeschoßräume im Seitenflügel des Gemeinschaftshauses wurde hier am 14. September 1951 die Zweigstelle der öffentlichen Bücherei wieder eröffnet. Da bereits seit Januar 1944 eine Bücherei-Zweigstelle im Gemeinschaftshaus eingerichtet wurde, ist sie die älteste Zweigstelle in der Stadt Braunschweig. Durch Plünderung ging der Buchbestand im Jahre 1945 verloren und mußte vollständig erneuert werden. Heute hat die Zweigstelle einen Bestand von ca. 15000 Medien.

Durch eine ständig steigende Benutzung der Bücherei wurden die Räume zu klein. Nur eine Vergrößerung konnte Abhilfe schaffen. Mit einem Büchereifest am 14. März 1986 wurde die Zweigstelle um ca. 50 m2 erweitert. Nach der Eröffnung durch Bezirksbürgermeister Rudi Steinbacher und Bibliotheksdirektor Wolf-Dieter Schuegraf musizierten und spielten Schüler der Grundschule Lindenbergsiedlung. Über 400 Personen besuchten an diesem Tag die Bücherei.

In den früheren Räumen des HJ-Heimes befindet sich seit 1946 der städtische Kindergarten. Von den 1946 im umgebauten Seitenflügel untergebrachten Geschäften (Lebensmittelgeschäft, Samenhandlung, Zweigstelle einer Apotheke und eines Radiogeschäftes) existiert heute nur noch die Gastwirtschaft "Försterkrug".

Stadtbezirksrat

Mit der 4. Änderung der Niedersächsischen Gemeindeordnung vom 24. Juni 1980 wurde die Stadtbezirksverfassung eingeführt. Hierdurch wurden Städte mit mehr als 200000 Einwohnern verpflichtet, das gesamte Stadtgebiet in Stadtbezirke einzuteilen. Der Rat der Stadt Braunschweig beschloß am 20.Januar 1981, das Gebiet der Stadt Braunschweig in 22 Stadtbezirke aufzuteilen. Die Südstadt, die Lindenbergsiedlung und Rautheim bilden den Stadtbezirk 211 "Südstadt-Rautheim".

Der erste am 27. September 1981 gewählte Bezirksrat setzte sich wie folgt zusammen:

CDU: Günter Bengelsdorf, Helmut Hampe, Karl-Heinz Kreutzfeld, Eckhard Reichel, Horst Siedentopf, Rudi Steinbacher
SPD: Jürgen Hauer, Jolanda Palm, Lothar Rasehorn, Christiane Struck, Hans-Joachim Struck, Herbert Tesch
FDP: Gerhard Paul Hartwich

Auf der ersten Sitzung des Bezirksrats wurde Rudi Steinbacher (CDU) zum Bezirksbürgermeister und Herbert Tesch (SPD) zum stellvertretenden Bezirksbürgermeister gewählt.

Schule

Der nach den Plänen der Deutschen Arbeitsfront (DAF) im Dezember 1936 begonnene Bau der Schule wurde im Sommer 1937 fertiggestellt. Die Kosten beliefen sich auf 362150 Reichsmark. Regierungsbaumeister Dipl.-Ing. Rudolf Rogler war der Entwurf als Sonderaufgabe übertragen.

Neben 8 Klassen, einem Zeichen-, einem Näh- und einem Physikraum erhielt die Schule im Keller eine Lehrküche und 2 Werkräume. Am 18. Juni 1937 wurde mit dem Bau der Turnhalle einschließlich Geräteraum begonnen.
Am 7. Mai 1938 konnte die "Volksschule Südstadtsiedlung Mascheroder Holz" in Anwesenheit von Vertretern der städtischen Behörden und der Deutschen Arbeitsfront in Benutzung genommen werden. Schulrat Wilhelm Vogelsang übergab die Schule dem damaligen Schulleiter Ludwig Schmalhoff, der vorher Lehrer in der Volksschule des Dorfes Mascherode war. Das Kollegium setzte sich aus Hermann Bärger, Albert Rode, Walter Wessel, Hermann Friedrichs, Gerhard Rieche, Heinrich Reese und Margarete Holik zusammen. Am 4. Oktober 1938 besuchte der DAF-Reichsleiter Dr. Robert Ley die Schule.

Während im ersten Jahr 112 Knaben und 95 Mädchen die Schule besuchten, waren es im darauffolgenden Jahr bereits 206 Knaben und 238 Mädchen. Zum Vergleich sei hier erwähnt: Im Schuljahr 1949/50 waren es ingesamt 1450 Kinder !!
Mit Beginn des Krieges wurde in der Schule ein öffentlicher Luftschutzraum eingerichtet. In diesem Zusammenhang wurde der Duschraum mit Betten ausgestattet. Durch die Einberufung von Lehrern zum Wehrdienst, durch Altmaterialsammlungen, Tee- und Heilkräutersammlungen, Kampf dem Kartoffelkäfer usw. wurde der Schulunterricht erheblich beeinträchtigt.
Wie in anderen Schulen wurde auch in der Volksschule der Südstadtsiedlung zur Jahreswende 1943/44 auf Elternabenden das Thema Kinderlandverschickung diskutiert und 1944 Kinder der höheren Klassen teilweise evakuiert. Während bei den Luftangriffen am 14. und 30. Januar 1944 nur Glasschäden entstanden, wurde am 10. Februar 1944 die Toilettenanlage durch eine Sprengbombe zerstört, Brandbomben fielen auf das Dach. Ein Blindgänger schlug neben dem Hauptgebäude ein. Unter den im Luftschutzkeller befindliehen Personen brach eine Panik aus, da die Schutzsuchenden durch die Explosionen durcheinandergeworfen wurden.

Wie die Chronik der Schule berichtet, konnten Nachbarn nicht rettend und helfend eingreifen, da sämtliche Türen abgeschlossen waren. Als man endlich löschen konnte, waren der Näh- und Singsaal ausgebrannt. Nur der Flügel, der im Jahre 1938 für 1400 Reichsmark gekauft wurde, überstand mit wenigen Brand- und Wasserflecken das Feuer. Am 24. April 1944 wurde die Schule erneut stark beschädigt. Nach dem schweren Luftangriff am 15. Oktober 1944 fiel der Unterricht vom 16. bis 24. Oktober 1944 wegen Bombenschadens aus.
Als man nach der Besetzung durch amerikanische Truppen wieder mit dem Unterricht beginnen wollte, mußte erst einmal aufgeräumt werden. Fensterscheiben, die die Luftangriffe überstanden hatten, waren durch Steine eingeworfen. Sämtliche Schränke waren aufgebrochen. Das Lehrmaterial sowie das Werkzeug aus den Werkräumen wurde gestohlen; selbst Turngeräte wurden "mitgenommen".

Am Montag, dem l. Oktober 1945, um 8.00 Uhr, wurde die "Volksschule Mascheroder Holz", so lautete jetzt der offizielle Name, wieder eröffnet. Zunächst wurden nur die Kinder der Grundschule (Klassen l bis 4) eingeschult. Die Kinder des Geburtsjahres 1939 mußten bis Ostern 1946 mit der Einschulung warten. Zum Schulbereich gehörten neben der Siedlung Mascheroder Holz auch die Lindenberg-Siedlung und das Dorf Mascherode (120 Schulkinder), das mit der Stadt Braunschweig eine Schulgemeinschaft bildete.
Da die Abortanlage im Krieg zerstört wurde, mußten die Kinder auf Anweisung der Schulleitung ihre "Geschäfte" im nahegelegenen Walde verrichten. Welch ein Glück, daß die Schule direkt am Wald lag.
Im April 1946 konnte die Mütterberatungsstelle im Keller wieder eröffnet werden. Wie im Krieg, so mußte auch jetzt Altpapier für die Schule gesammelt werden. Denn nur so war es möglich, neues Papier für den Unterricht zu erhalten. Für l kg Altpapier gab es 6 neue Hefte. Welch ein Fortschritt, als es für ein altes Schreibheft ein neues gab!

Bei der großen Zahl von durchschnittlich 1300 bis l 400 Kindern in den Jahren 1946 bis 1951 mußte wegen der wenigen Lehrkräfte und Klassen am Vormittag und am Nachmittag Unterricht erteilt werden. Die Chronik der Grundschule Mascheroder Holz berichtet zum Beispiel für das Jahr 1949: 1450 Kinder besuchen die Schule, die von 23 Lehrkräften in 13 Klassenräumen unterrichtet werden; der Ausbau des Dachgeschosses der Schule ist dringend erforderlich.
Daneben wurde noch die Schulspeisung ausgegeben. Dadurch fiel zwar wieder Unterricht aus; aber wie wichtig war gerade diese Mahlzeit in der damaligen Zeit! Durch den Umbau des Gemeinschaftshauses wurde es 1950 möglich, dort 3 Räume für die Schule anzumieten. Als in den folgenden Jahren die Schülerzahlen zurückgingen, hat man diese Räume wieder aufgegeben.

Erst die Aufteilung der Schulbezirke Mascheroder Holz und Lindenbergsiedlung im Jahre 1952 brachte eine Entlastung für Lehrer und Schüler. 820 Kinder und Lehrkräfte blieben in Mascherode, 510 Kinder und 12 Lehrer wurden in die neu erbaute Schule Lindenbergsiedlung umgesetzt.

Im Schuljahr 1984/85 wurden von 12 Lehrkräften nur noch 220 Kinder in 10 Klassen unterrichtet. 1954 wurde die auf dem Gelände der Schule errichtete Baracke für den Kinderhort umgebaut und die Grünanlagen der Schule vergrößert. Mit einer Summe von 470000 DM konnten im Juli 1967 weitere Umbauten der Schule begonnen und im Sommer 1968 beendet werden. Seit dem Schuljahr 1975/76 ist die Volksschule Mascheroder Holz eine 4-zügige Grundschule.

Kirchen

Kath. Kirchengemeinde St. Heinrich

Durch den Zuzug von Flüchtlingen aus dem Osten des Deutschen Reiches stieg die Zahl der in der Siedlung wohnenden Katholiken erheblich an. Da eine katholische Kirche nicht vorhanden war, wurde in verschiedenen Räumen provisorisch Gottesdienst abgehalten. Der erste Gottesdienst nach dem Kriege wurde von Pfarrer Alfons Gloger in der Dorfkirche von Mascherode geleitet. Nach dem Tode von Pfarrer Gloger übernahm Pfarrer Günther Rathei die Leitung der Kirchengemeinde. Zuletzt diente eine Garage am Auenweg als Gotteshaus.
Am 19. November 1960 wurde die von dem Architekten Tschirwitz erbaute St. Heinrich Kirche durch den Bischof Heinrich Maria Janssen von Hildesheim geweiht. Die Altarweihe, verbunden mit einer Messe, fand am darauffolgenden Tag statt. Im Anschluß daran zelebrierte Domkapitular Propst Franz Frese das Fest-Hochamt. Zur Kirche gehört noch ein Anbau für die Sakristei, ein Pfarr- und Jugendheim sowie ein Pfarrhaus.
Mit einer beachtlichen Spende von 150000 DM trugen die Gemeindemitglieder zur Ausgestaltung der Kirche bei.
Das Kruzifix aus hellem Lindenholz fertigte der Oberammergauer Bildschnitzer Heinzeller an. Im Oktober 1964 wurde Pastor Georg Berkes, der nach dem Ungarnaufstand seine Heimat verlassen mußte, in sein Amt eingeführt. Die Kirchengemeinde St. Heinrich, zu der ca. 2500 katholische Einwohner gehören, besteht aus der Südstadtsiedlung Mascheroder Holz, den Gemeinden Mascherode, Rautheim und der Lindenberg-Siedlung. Durch die Urkunde des Bischofs Heinrich Maria Janssen von Hildesheim vom 22. Dezember 1981 erhielt die bisherige Kuratie-Kirche St. Heinrich mit Wirkung vom l. Januar 1982 den Rang einer Pfarrkirche.
Der jeweilige Inhaber der Pfarrei St. Heinrich in Braunschweig-Süd hat alle Rechte und Pflichten eines Pfarrers, wie sie im Kirchlichen Gesetzbuch festgelegt sind (vgl. insbesondere CC. 451 bis 470 Codex Juris Canonici).

Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Markus

An der Ecke Engelsstraße/Heidehöhe steht das Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen St.-Markus-Gemeinde. Vor dem Bau des Gemeindehauses wurde der Kleine Saal im ersten Stock des Gemeinschaftshauses als Kirchensaal benutzt. Der Grundstein für das von dem Architekten Prof. Dr. Friedrich Berndt entworfene Gebäude wurde am 16. Oktober 1952 gelegt. Nach einer 14-monatigen Bauzeit erfolgte am 20. Dezember 1953 (4. Advent) die Schlüsselübergabe durch Propst Otto Jürgens an Pastor Wilhelm Ziegler.

Bis zum Bau eines Kirchengebäudes finden die Gottesdienste, Taufen usw. im Gemeindehaus statt. Neben dem Gemeindehaus wurde 1959 das Pfarrhaus errichtet, das von Pastor Adolf Runge bewohnt wird, der seit 1956 die St.-Markus-Gemeinde betreut. 1986 wohnten in der Kirchengemeinde St. Markus, die das Gebiet der Südstadtsiedlung umfaßt, 2250 Einwohner evangelisch-lutherischen Glaubens.
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